Wildbräu Historie

1536  Hildebrand von Kitscher lässt die Brauerei nach einem Brand wieder errichten
1616 in einem Gerichtsstreit zwischen den bürgerlichen Brauern Dosch, Grandauer und Reiter gegen Michael Mändl vom "Eisendorfischen Brauhaus" erlässt der Kurfürst, dass Mändl weiterhin in der Hofmark brauen darf. Dies ist die offizielle erstmalige Erwähnung der Brauerei im "Gefreiten Haus"
1619  Brauereibesitzer Michael Mändl erhält das Recht für eine Tavernwirtschaft 
1632 im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) brennen die Schweden die Brauerei nieder. Nach dem Wiederaufbau plünderten die spanischen Reiter die kupfernen Braupfannen 
im 18. Jhdt. nach seinem Besitzer Freiherr von Käppler wurde das Anwesen "Kaspersbräuanwesen" genannt
1746 Das gefreite HausNeubau des Anwesen in der heutigen Form
1766 einer verheerenden Feuersbrunst fallen in Grafing das Rathaus und 37 Häuser zum Opfer. Die Brauerei konnte nur durch das beherzte Eingreifen eines Zimmermannes gerettet werden.
1805 Freifrau von Käppler verkauft das Anwesen an Graf La Rosée
1819 Melchior Kleinmayer, ein Vorfahre der Familie Schlederer, erwirbt das Anwesen vom Freiherr von Hazzy (Schwiegersohn von Graf La Rosée) für 32.000 Gulden.
1865 Amalie Winhard, eine Nachfahrin Melchior Kleinmayers, heiratet Korbinian Wild, den Sohn des Schuhbräu aus Bad Aibling. Korbinian Wild erbaute den Wildkeller in der Kellerstraße, in dem die Wildbräu bis 1969 noch abfüllte und bis 2014 als Lagerkeller betrieb.
1892 anno 1890 | das Wildbräu Brauhaus (rechts) Josef Schlederer, der Besitzer des Reiterbräus in Grafing, heiratet Amalie Wild, die Tochter von Korbinian Wild.
1900 Josef Schlederer erwarb den Heckerbräu am Marktplatz
1935 Wildbräu Getränke-LKWTod von Josef Schlederer †, seine Witwe Amalie Schlederer führt die Brauerei weiter
1945 ihre Söhne Georg und Max übernehmen die Brauerei nach der Heimkehr aus dem Krieg
1969 Bau der Abfüllung und der Lagerhalle in der Rotter Straße am Ortsrand von Grafing
1977 31. März, Tod von Max Schlederer †, die Brauerei wird von seiner Witwe Editha Schlederer und ihrem Sohn Max Josef Schlederer weitergeführt
1978 Bau des neuen Sudhauses und des Gärkellers in der Rotter Straße am Ortsrand von Grafing und Einstellung der Mälzerei im Ortskern
1989 Bau des Verwaltungsgebäudes in der Rotter Straße
2014 Kauf eines neuen Sudhauses, eines neuen Gär- und Lagerkellers, einer neuen Filtration und Drucktankkeller sowie einer neuen KEG-Anlage zur Faßfüllung
2015 3. Mai, Tod von Max Josef Schlederer †, seine Witwe Dr. Swantje M. Schlederer übernimmt die Geschäftsführung

 

Aus der Geschichte der
Brauerei Wildbräu–Grandauer

Wer heute aufmerksam den Marktplatz der Stadt Grafing überquert, der kann da und dort noch Spuren der reichen Brau-Historie des Ortes entdecken: So findet er am Hauseck eines ehemaligen Schlosses, das nach wie vor den Oberen Markt dominiert, einen 1793 kunstvoll geschmiedeten Ausleger mit eingearbeiteten Brauerzunftzeichen, am Erker eines mächtigen Traufseitbaus aus dem 17. Jahrhundert das reich ausgestaltete Wappen einer viele Generationen zählenden Brauer-Dynastie und an der Fassade eines im neubarocken Stil gehaltenen Wirtshauses die markante Darstellung von Gärbottich, Malzschaufel, Maischegabel, Bierschöpfer, Gerstenähren und Hopfenranken, eingefasst von der bekannten Sentenz „Hopfen und Malz, Gott erhalt’s“. Ja, tatsächlich existierten am überschaubaren Grafinger Marktplatz einst vier Brauereien nebeneinander, ehe es im 20. Jahrhundert durch Heirat, Kauf und Marktentwicklung  zum Rückgang auf in der Gegenwart nur mehr eine Brauerei kam.

Die Grafinger Brauereien in der Frühen Neuzeit – Konkurrenz zwischen herrschaftlichem Brauhaus und bürgerlichen Brauern

Die Geschichte des Brauwesens in Grafing reicht schriftlich bezeugt bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts, vermutlich aber noch weiter bis ins Mittelalter zurück. 1536 ließ Hildebrand von Kitscher, der damalige Inhaber des Grafinger Adelssitzes, des hinsichtlich seiner adeligen Herren vom Rechtskreis des Marktes ausgenommenen Gefreiten Hauses, die diesem angeschlossene Braustatt, die einem Brand zum Opfer gefallen war, gründlich restaurieren und wieder sauber herrichten.

Noch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erwuchs dem herrschaftlichen Brauhaus in Grafing Konkurrenz durch drei bürgerliche Brauer namens Hans Dosch, Jörg Grandauer und Jakob Reiter. Auf deren Beschwerde hin musste sich Hans Kleeberger zu Eisendorf als Eigentümer des Gefreiten Hauses 1599 und noch einmal 1602 dazu verpflichten, nur einen Brauer oder Braumeister zu beschäftigen, der gelernt und zünftig war und sich als Bürger den Rechten und Pflichten des Marktes Grafing unterworfen hatte.

Als Hans Kleeberger 1610 seine Hofmark Eisendorf und seinen Grafinger Besitz an das bayerische Herzogshaus abtrat, schenkte Herzog Maximilian I. die Hofmark an Lorenz Wensin auf Altenpreysing. Gleichzeitig inkorporierte der Landesherr dem Eisendorfer Adelsgericht bei dieser Gelegenheit die Gefreite Tafern zu Grafing mitsamt der darauf ruhenden Braugerechtigkeit.

Trotz der 1610 geschaffenen, vermeintlich klaren Verhältnisse, sahen sich die Hofmarksherren zu Eisendorf und Grafing in der Folgezeit doch weiter rechtlichen Anfechtungen ausgesetzt. So klagten 1616 die bürgerlichen Grafinger Brauer Melchior Dosch, Georg Grandauer und Jakob Reiter gegen Michael Mändl als dem damaligen Inhaber der Hofmark, wurden aber mit ihrer Klage durch ein im selbigen Jahr gesprochenes Urteil  abgewiesen. 1619 bestätigte Herzog Maximilian I. dann das Eisendorfer Braurecht zu Grafing von Neuem, das daraufhin in der Braumatrikel eingetragen und seither nicht mehr angefochten wurde.

Da das Bierbrauen als Handwerk galt und mithin für den Adel nicht standesgemäß war, wurde das herrschaftliche Brauhaus in Grafing bis ins 19. Jahrhundert stets von seitens der Hofmarksherren eingesetzten Braumeistern oder Pächtern geführt, was wiederum einen relativ häufigen Wechsel nach sich zog. Anders verhielt es sich bei den bürgerlichen Grafinger Brauereien. Diese blieben oft über Generationen in Familienbesitz, bei den Grandauers, die wohl aus Grandau im Leitzachtal stammten und deren familiäres Selbstbewusstsein bereits 1631 in ein eigenes Wappenschild mündete, gar über zweieinhalb Jahrhunderte.

Schwer zu leiden hatten die vier Grafinger Brauereien in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Als die schwedischen Truppen 1632 den Markt Grafing in Brand steckten, fielen auch sie in Schutt und Asche. Wenig später, 1633, waren es spanische Reiter, die beim Abmarsch aus ihrem Grafinger Winterquartier die kupferne Braupfanne des herrschaftlichen Brauhauses herausrissen, um das wertvolle Metall mitzunehmen.

Nachdem Melchior und Apollonia Dosch beim Marktbrand des Jahres 1632 zu Tode gekommen waren, erwarb der Grafinger Bürger Jakob Walcher die Brandstatt samt allem Zugehör und baute das Anwesen wieder auf. Sein Nachname legte sich alsbald auf das Brauereigut, das in der Folge bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts „Walcherbräu“ hieß.

Ein ähnliches Phänomen finden wir bei der herrschaftlichen Braustatt. Hier war es der Vorname des dort im 17. Jahrhundert über Jahrzehnte beschäftigten Braumeisters Caspar Weber, den die Bevölkerung im Laufe der Zeit fest mit der Brauerei verband, so dass diese letztlich gleichfalls bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gemeinhin „Kasperlbräu“ genannt wurde.

Die Grafinger Brauereien in der Frühen Neuzeit – Rechte, Pflichten und Schicksalsschläge

Dass sich die in Wasserburg eingezunfteten Grafinger Brauer, deren Familienmitglieder verschiedentlich untereinander heirateten, bei der Ausübung ihres Handwerkes an Recht und Gesetz hielten, darauf achteten Bürgermeister und Räte. So wurde beispielsweise 1639 Hans Grandauer um 1.000 Ziegelsteine gestraft, weil er vor Ägidi ohne Erlaubnis Bier gesotten und ohne Bierbeschau ausgegeben hatte. 1651 zahlte Caspar Weber eine Strafe von 100 Ziegelsteinen, weil er das Märzenbier um 1 Pfennig höher als der Satz ausgegeben hatte. Und 1704 musste der Walcherbräu Johann Stainhart 1,5 Pfund Pfennig „hinlegen“, weil er zum wiederholten Male zwei unkontrollierte Fässer Märzenbier ausgegeben hatte.

Den zur Bierherstellung notwendigen Hopfen bauten die Grafinger Brauereien zu einem kleinen Teil in eigenen Gärten an, den größeren Teil aber bezogen sie von auswärts. Unter anderem wurde der Hopfen bis aus Böhmen nach Grafing geliefert.

Neben der realen Braugerechtigkeit verfügten  die vier Grafinger Brauer, deren Anwesen den Oberen Markt Grafings nach drei Seiten hin einfassten, über verschiedene weitere Rechte, die sie an Ort und Stelle ausüben durften. Der Kasperlbräu an der Westflanke des Platzes etwa besaß über die Hofmarksherrschaft das bis weit ins Mittelalter zurückreichende „ius tabernae“, das ihn befugte, nicht nur Wein, Meth und weißes Bier auszuschenken, sondern auch Hochzeiten, Tanzveranstaltungen und Festmähler abzuhalten, Gäste über Nacht zu logieren und eine Kegelbahn auf dem Märzenkeller zu unterhalten. Über das Schankrecht hinaus, hatten auch die anderen drei Brauer, der Grandauerbräu an der Nordseite, der Reiterbräu am südwestlichen Ausgang und der Walcherbräu an der Südseite des Marktplatzes, durch die Zeit hin verschiedene zusätzliche Rechte, zum Beispiel die Metzgergerechtigkeit.

Auf der Basis ihrer Rechte brachten es die Grafinger Brauer, zu deren Anwesen neben Wohnhaus, Braustatt, Bierkeller und Ökonomiegebäuden jeweils ein Märzenkeller am Ortsrand respektive im benachbarten Öxing gehörte, im Laufe der Jahrhunderte wiederholt zu Ansehen und Wohlstand. Zahlreiche Vertreter aus den langen Reihen der Grafinger Brauer übernahmen denn auch öffentliche Ämter, wurden Räte und Bürgermeister, oder zeigten sich als Gönner, Stifter und Wohltäter des Gemeinwesens. Bei alledem standen doch Reichtum und Ruin häufig sehr nah beieinander, wobei sich des Öfteren für den Einzelnen nicht steuerbare Einflussfaktoren wie Kriege und Schicksalsschläge als wirkmächtig erwiesen.

Einen solchen Schicksalsschlag gab es 1766: Damals brach auf der Dörre des Walcherbräu ein Feuer aus, das in kürzester Zeit auf den benachbarten Reiterbräu übergriff. Innerhalb von nur zwei Stunden brannten auch das Rathaus sowie 37 bürgerliche Behausungen, 31 Stadel und andere Gebäude nieder. Der Grandauerbräu blieb von den Flammen vollständig, der Kasperlbräu weitgehend verschont.

Da nach der Brandkatastrophe des Jahres 1766 der Reiter- und der Walcherbräu als Bierproduzenten ausfielen, diese vielmehr erst ihre zerstörten Braustätten wieder aufbauen mussten, wurde der Grandauerbräu 1767 auf Klage der Grafinger Bürgerschaft hin seitens des Rentamtes des Oberlandes in München aufge-fordert, dafür Sorge zu tragen, dass nicht noch einmal das Bier im Sommer ausgehe und dem Gewerbe in Grafing darob ein Schaden entstehe.

Ungeachtet dieser obrigkeitlichen Ermahnung, schritt der über Generationen sich vollziehende kontinuierliche gesellschaftliche Aufstieg der Familie Grandauer in den Folgejahrzehnten weiter voran und gipfelte schließlich 1794 in der Verleihung des erblichen Adels an Josef Alois Grandauer. Er und die Seinen durften sich nun „Edle von Grandauer“ nennen. In einem Adelsbrief wurden die Verdienste des Brauergeschlechtes herausgestellt. Das der Familie 1631 verliehene „redende“ Wappen mit Wassergrand erfuhr eine Bestätigung und Vermehrung.


Die Grafinger Brauereien in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Zur Zeit der Napoleonischen Kriege, insbesondere in den Jahren 1800/01, hatten die Grafinger Brauereien einen Gutteil der Lasten des Marktes Grafing zu tragen. Neben Getreide und Heu, mussten vor allem Bier und Branntwein abgeliefert werden.

Noch während der Kriegswirren ließ Freifrau Maria Aloisia Franziska von Käppler als Inhaberin der Hofmark Eisendorf und des Gefreiten Hauses zu Grafing 1804 das Kasperlbrauhaus neu erbauen. Als aber an einem Tag drei Gewölbe einstürzten, stellte sie den Bau ein. Im darauffolgenden Jahr verkaufte sie ihre Hofmarken Elkofen und Eisendorf samt dem Gefreiten Haus an Johann Kaspar Alois Graf Basselet von La Rosée. Dieser ließ in der Folge den von seiner Vorgängerin unterbrochenen Neubau des Brauhauses zu Ende führen.

Der Schwiegersohn des Grafen La Rosée, Staatsrat Joseph Ritter von Hazzi, verkaufte das Kasperlbräu-Anwesen nebst Märzenkeller am Kirchberg 1819 an Melchior Kleinmaier, den bisherigen Oberbrauknecht des Brauhauses. Der Besitz, der damit in bürgerliches Eigentum überging, umfasste die reale Braugerechtigkeit, das Tafern-, das Weinschank- und das Metzgerrecht sowie das frei eigene Anwesen mit Keller und Garten. Rechtlich blieb der Besitz bis 1848 indes dem aus den Hofmarken Eisendorf und Elkofen hervorgegangenen Patrimonialgericht Elkofen unterstellt.

Die Abordnung des Marktes Grafing mit einem mit Hopfenstangen bestückten Wagen beim Festzug zu Ehren der Silberhochzeit König Ludwigs I. und seiner Frau Therese 1835 in München, dargestellt in einer von Gustav Kraus geschaffenen Lithographie
Abb.: Die Abordnung des Marktes Grafing mit einem mit Hopfenstangen bestückten Wagen beim Festzug zu Ehren der Silberhochzeit König Ludwigs I. und seiner Frau Therese 1835 in München, dargestellt in einer von Gustav Kraus geschaffenen Lithographie.

Eine andere Entwicklung ergab sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beim Grandauerbräu. Weil die Familie es versäumte, sich in die mit Edikt von 1808 geschaffene Adelsmatrikel eintragen zu lassen, verlor sie zunächst ihren Adelstitel. 1843 dann starb das jahrhundertealte Grafinger Brauergeschlecht mit dem Tod des Josef Anton Grandauer im Mannesstamm aus.

Die Inhaber des Reiterbräu wiederum verstanden es in jenen Jahrzehnten, die Belastungen, die seit einem Brand ihres Brauhauses und dessen Wiederaufbau Ende des 18. Jahrhunderts auf ihrem  frei eigenen Anwesen mit Braugerechtigkeit, Tafern- und Metzgerrecht lagen, abzubauen und ihren Besitz, der aus Wohngebäude, Brauhaus, Ökonomiebauten und Sommerkeller bestand, einer wirtschaftlichen Gesundung zuzuführen.

Eine positive Entwicklung nahm seinerzeit auch der Walcherbräu.  Allgemein augenfällig wurde dies mit dem Neubau des Brauereigebäudes 1842, den der damalige Bräu Josef Kolb auf einer Inschriftentafel  über dem Portal des Hauses dokumentieren ließ.

Unter dem Eindruck des Gedankengutes der Aufklärung begannen die Grafinger Brauereien an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert damit, bei der Herstellung ihres Bieres nach weitgehender Autarkie zu streben. Dies bedeutete in erster Linie, dass die Brauhäuser nunmehr daran gingen, den bislang größtenteils von auswärts bezogenen Hopfen selbst anzubauen. Dass dieses Bemühen um Unabhängigkeit durchaus von Erfolg gekrönt war, belegen die Ausführungen Josephs von Obernberg, die dieser 1816 im Rahmen seiner „Reisen durch das Königreich Baiern“ machte. So heißt es dort im Abschnitt über Grafing: „Vier Bräuer sind unter ihnen [den Bewohnern], die sich mit dem Hopfenbau verdient machen. Schon jetzt erzielen sie ungefähr die Hälfte ihres jährlichen Bedarfes, – was sie vor wenigen Jahren noch nicht vermochten.“

Bei einer Befragung der Brauer hinsichtlich ihrer Hopfenerträge in den Jahren 1819/20 wurde der Grandauerbräu mit 3 Zentnern, der Kasperlbräu mit 5 Zentnern 20 Pfund, der Reiterbräu mit 4 Zentnern 30 Pfund und der Walcherbräu mit 3 Zentnern erfasst.

Seinen sichtbaren Ausdruck fand das erfolgreiche Bestreben der Grafinger Brauereien, den in der Produktion benötigten Hopfen am Ort selbst zu gewinnen, beim 1835 anlässlich der Silberhochzeit des bayerischen Königspaares in München veranstalteten Festzug. Bei diesem nämlich zeigte einer der beiden von den Grafingern für die Abordnung des Landgerichts Ebersberg gestellten Wägen einen Hopfengarten.


Die Grafinger Brauereien in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ergaben sich bei den Grafinger Brauereien zum Teil einschneidende Veränderungen.

Die wohl größte Zäsur erlebte damals der Grandauerbräu. Nach dem Ableben Josef Anton Grandauers 1843 führte seine Frau Elisabeth den traditionsreichen Betrieb so gut es ging bis zu ihrem Tod 1854 weiter. Da keine der drei Töchter des Ehepaares in der Lage war, die Brauerei zu übernehmen, erwarb noch im selben Jahr der aus Raunstädt bei Frauenneuharting stammende und zuletzt in Öxing ansässige Georg Deuschl das Brauanwesen samt allen Liegenschaften und Rechten. Der neue Eigentümer führte die Brauerei „Zum Grandauer“ zu neuer Blüte und hinterließ seiner Frau Therese bei seinem Tod 1877 ein gut gehendes Unternehmen. Diese übernahm die Geschäfte bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes, übergab ihm dann 1889 das Brauereianwesen und zog sich zurück.

Zu einem tiefen Einschnitt kam es auch beim Walcherbräu. Durch die Spielsucht des aus Steinhöring stammenden Braumeisters Augustin Höfter, der 1848 die Walcherbräu-Witwe Kreszenz Kolb geheiratet hatte, verarmte das Ehepaar und musste schließlich 1855 das Brauereianwesen mit allem Zugehör an den Bauernsohn Georg Westermayer aus Nettelkofen veräußern. Von diesem wiederum ging der Besitz 1862 durch Kauf an den aus Eggenfelden stammenden Alois Hecker über. Dieser holte daraufhin bei der Marktgemeinde die Genehmigung zur Ausübung des Brauer- und Tafernwirtschaftrechtes ein und musste kurz darauf die Folgen eines Brandes seines Brauhauses bewältigen. Nach dem Tod Alois Heckers 1888, ging das Brauereianwesen, das inzwischen bereits als Heckerbräu firmierte, nach einer Übergangsphase, in der die Witwe Walburga die Geschicke des Betriebes lenkte, 1894 auf Sohn Anton über, der schon zwei Jahre zuvor beim Bau eines weiteren Braukellers in Öxing große Tatkraft gezeigt hatte.

Beim Reiterbräu ergab sich 1856 die Durchtrennung einer langen Erb- und Heiratslinie. Damals nämlich verkaufte Josef Soyer, der noch 1841 für seine Brauerei im Westen Grafings einen Sommerkeller geschaffen hatte, das Anwesen an den bisherigen Grafinger Zanklwirt Blasius Zenz. Dieser wiederum veräußerte den Besitz im darauffolgenden Jahr an Georg Schlederer, einen Privatier aus München. Der neue Eigentümer erneuerte 1871 den von seinem Vor-Vorgänger geschaffenen Sommerkeller und ergänzte ihn um ein Schanklokal. 1889 erhöhte er das Hauptgebäude seines Anwesens um ein Stockwerk. Nach dem Tod Georg Schlederers 1891 übergab seine Witwe den Besitz im Folgejahr ihrem Sohn Josef. Unter diesem wurde 1895 der Eiskeller der Brauerei mit Halle und Lagerplatz neu gebaut.

Der Kasperbräu, der nach dem Ableben Melchior Kleinmaiers 1825 über 18 Jahre hin von dessen Witwe Magdalena allein geführt worden und 1843 dann auf Tochter Amalia und deren Gatten Lorenz Winhard übergegangen war, wurde von Letzteren 1865 ihrer Tochter Elisabeth und deren Mann Korbinian Wild, einem Brauersohn aus Aibling übergeben. Selbiger entfaltete alsbald eine rege Geschäftstüchtigkeit, erbaute 1866 in Öxing einen neuen Bierkeller, stellte 1870 in seiner Brauerei die erste Dampfmaschine in Grafing auf und vergrößerte in der Folgezeit Zug um Zug den Besitz. Entsprechend nimmt es auch nicht wunder, dass aus dem Kasperlbräu bald schon der Wildbräu wurde.

Der Bau der Hauptbahnlinie München –  Grafing – Rosenheim in den Jahren 1868 bis 1871 erwies sich für die Grafinger Brauereien als überaus einträglich, wurde seinerzeit doch das Bier für die Bahnarbeiter eimerweise geholt. Um den enormen Bedarf zu decken, kaufte Korbinian Wild 1869 3.240 Eimer Bier (ca. 195.000 Liter) in Wasserburg an. Der damalige Grafinger Marktschreiber Lorenz Wagner bezeichnete die Zeit des Bahnbaues denn auch als ein „Silbernes Zeitalter“.

Mit gesamt über zwanzig Beschäftigten waren die Grafinger Brauereien 1896 die größten Arbeitgeber am Ort.

Die vier Grafinger Brauereien in einer Bildpostkarte aus dem Jahr 1899
Abb.: Die vier Grafinger Brauereien in einer Bildpostkarte aus dem Jahr  1899.


Die Grafinger Brauereien in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte das Grafinger Brauwesen einen bedeutenden Wandel.

1901 starb der Wildbräu Korbinian Wild. Daraufhin übernahm sein Schwiegersohn, der Reiterbräu Josef Schlederer, der 1892 die Wild-Tochter Amalie geheiratet hatte, das Anwesen und zog mit seiner Familie vom Reiterbräu-Haus über den Marktplatz in das Wildbräu-Haus. Der Betrieb der Reiterbrauerei wurde eingestellt, die dazugehörige Gastwirtschaft verpachtet.

Im selben Jahr veräußerte der Heckerbräu Anton Hecker seinen ganzen Grafinger Besitz und erwarb stattdessen das Café „Union“ in München. Der neue Eigentümer des Heckerbräu, der Wildbräu Josef Schlederer, legte den Braubetrieb still und verpachtete die zum Anwesen gehörige Gastwirtschaft.

Von derartigen Veränderungen unberührt blieb in jenen Tagen der Grandauerbräu des Alois Deuschl. Erst als dieser nach langjähriger Schaffenszeit 1926 starb und sich mit Blick auf die mächtige Konkurrenz der Münchner Großbrauereien keiner seiner zahlreichen Nachkommen bereitfand, das Unternehmen weiterzuführen, ergab sich für das Brauanwesen ein gewaltiger Umbruch.

1927 erwarb eine eigens zu diesem Zweck gegründete Brauereigenossenschaft den Grandauerbräu aus den Händen der Erbengemeinschaft Deuschl. Um die Brauerei konkurrenzfähig zu machen, begann die Genossenschaft noch im selben Jahr mit einem Neu- beziehungsweise Umbau des Betriebes, der jahrs darauf abgeschlossen wurde. Trotz des engagierten Beginns geriet die Genossenschaft wegen zu geringem Eigenkapi-tal und wegen diverser Fehlentscheidungen des Vorstandsvorsitzenden alsbald in eine schwere Krise, die erst 1938 unter neuer Führung überwunden werden konnte.

Der Zweite Weltkrieg mit seiner Zwangswirtschaft brachte die Brauereigenossenschaft „Zum Grandauer“, die in ihrem Sudhaus mit Feuerkochung untergärige Biere, helle und dunkle Malze für den Eigenbedarf sowie Eis produzierte und Anfang der 1940er Jahre 35 Arbeiter und Angestellte beschäftigte, erneut in große Schwierigkeiten. An dem bedenklichen Zustand, in dem sich das Unternehmen damals befand, änderte sich auch in der ersten Nachkriegszeit nichts. Erst als die Währungsreform von 1948 den Jahren des Dünnbieres ein Ende setzte, war es den Verantwortlichen möglich, eine Gesundung des Betriebes in Angriff zu nehmen.

Wie die Genossenschaftsbrauerei, so sah sich auch der Wildbräu in den 1920/30er Jahren gehalten, zu investieren, um dem enormen Konkurrenzdruck standzuhalten. Mit einer Investition besonderer Art konnte Josef Schlederer 1932 aufwarten, namentlich mit dem ersten Holzgas-Lastkraftwagen in Bayern.
Nach dem Tod Josef Schlederers 1935 übernahm seine Witwe Amalie die Führung des Betriebes, der in seinem Sudhaus mit Feuerkochung untergärige Biere, in seiner eigenen Mälzerei Malz und in seiner Eismaschine von Linde Eis herstellte. In die Zeit ihres Wirkens fielen die schwierigen Kriegsjahre. Kriegsbedingte Ausfälle an Arbeitskräften wurden beim Wildbräu, wie im übrigen auch bei der Genossenschaftsbrauerei, durch den Einsatz von Zwangsarbeitern ausgeglichen. Nach heiler Rückkehr aus dem Krieg, übernahmen noch 1945 die Söhne Georg und Max Schlederer die Brauerei.

Noch ehe der Wildbräu, Kriegs- und Nachkriegszeit hinter sich lassend, in eine bessere Zukunft starten konnte, musste er 1949 einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Ein Großfeuer zerstörte in Teilen das einstige Gefreite Haus und mithin das Herzstück des Brauereianwesens.

Keine ernstzunehmende Konkurrenz erwuchs dem Grandauer- und dem Wildbräu in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der 1929 von Therese Erl in Grafing-Bahnhof errichteten Erl-Brauerei, die nur einen jährlichen Bierausstoß von 350 Hektolitern erreichte (Grandauer 1929: 14.000 Hektoliter) und nach einem Bombentreffer 1945 nicht mehr wiederbelebt wurde.


Die Grafinger Brauereien seit der Mitte des 20. Jahrhunderts

Nach Überwindung der schlimmsten Auswirkungen der Kriegs- und Nachkriegszeit, nahm die Genossenschafts-brauerei „Zum Grandauer“ in den 1950/60er Jahren einen enormen Aufschwung. Die Limonaden- und Weißbierherstellung wurde aufgenommen, die Bierbezugsgenossenschaft Wasserburg, die vormalige Brauereigenossenschaft zum „Aubräu“ in Traunstein sowie die frühere Kellereigenossenschaft Trostberg übernommen, die Betriebsgebäude saniert, die Produktionsanlagen modernisiert und zahlreiche Grundstückskäufe getätigt. Bereits 1952 konnte die Geschäftsführung eine Ausstoßsteigerung von 42 Prozent vermelden.

Vor diesem Hintergrund kam das Unternehmen rasch über den Brand seines Lagerkellers 1954 hinweg und war bereits 1956 in der Lage, einen neuen Lagerkeller in Betrieb zu nehmen.

1965 konnte das 350-jährige Bestehen der Brauerei Grandauer gefeiert werden. Das aus diesem Anlass veranstaltete Jubiläumsvolksfest wurde zum Ausgangspunkt der sich in der Folgezeit zur festen Grafinger Tradition entwickelnden Grandauer-Volksfeste.

Wie der Grandauerbräu, so erlebte auch der Wildbräu in den 1950/60er Jahren eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Diese machte es unter anderem möglich, 1969 mit Füllerei, Lager und Expedition in ein neues, am östlichen Ortsrand von Grafing errichtetes Gebäude umzuziehen.

Nach Max Schlederers Tod 1977 (Bruder Georg war bereits 1973 verstorben) übernahm seine Witwe Editha mit ihrem Sohn Max Josef  die Leitung der Geschäfte des Wildbräu. Trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Schrumpfungstendenz der 1970er Jahre, die auch die beiden Grafinger Brauereien zu spüren bekamen, gelang es den Beiden 1978, den Bau eines Sudhauses und eines Gärkellers auf dem neuen Betriebsgelände am Ostrand der Stadt ins Werk zu setzen.

Die 1980er Jahre brachten für den Grandauerbräu, der 1979 von der Raiffeisenbank Mangfalltal in Bad Aibling übernommen worden war, negative Schlagzeilen. Zwar ging noch 1982 ein neues Sudhaus in Betrieb, aber nur wenig später konnten die Zeitungsleser über das Unternehmen, das damals einen Bierausstoß von 27.000 Hektolitern vermeldete, Überschriften zur Kenntnis nehmen, die da lauteten: „Bierumsatz stagniert“, „Kostensteigerung schluckt Umsatzplus“, „Konkurrenzkampf verhärtet“.

Angesichts derartiger Meldungen verwunderte es letztlich niemanden, dass die Mangfallbank den Grandauerbräu 1993, drei Jahre nach der Feier seines 375-jährigen Bestehens,  mit Verweis auf die Übermacht der Münchner und der norddeutschen Konzerne und auf dringend notwendige Investitionen an den örtlichen Konkurrenten, den Wildbräu veräußerte. Dieser, der Mitte der 1980er Jahre auf einen Bierausstoß von 90.000 Hektolitern gekommen und 1989 auch mit seiner Verwaltung auf das neue Firmengelände übergesiedelt war, hatte es in der Vergangenheit besser verstanden, sich auf dem hart umkämpften Markt zu behaupten.

Nach Editha Schlederers Tod im Jahre 2005, übernahm ihr Sohn Max Josef allein die Leitung des Wildbräu – Grandauer. Hatte dieser sich schon zuvor darum bemüht, dem Betrieb im Sinne der Behauptung auf dem Markt unter anderem mittels wiederkehrender öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen (Grasbahnrennen, Bulldog- und Oldtimertreffen, Grandauer-Volksfest) ein unverkennbares Gesicht, nämlich das eines lokal und regional verwurzelten Unternehmens zu geben, so setzte er diese Linie nun fort. 2014 erhielt die Brauerei ein neues Sudhaus, einen neuen Gär- und Lagerkeller, eine neue Filtration, einen neuen Drucktankkeller sowie eine neue KEG-Anlage zur Fassfüllung.

Als Max Josef Schlederer 2015 überraschend starb, übernahm seine Frau Dr. Swantje Schederer die Geschäftsführung des Wildbräu. Um ihrem Sohn Gregor, der in wenigen Jahren in die Fußstapfen seines Vaters treten will, noch Zeit zur Sammlung von Erfahrungen zu geben, schraubte die Agrarwissenschaftlerin ihre eigenen beruflichen Ambitionen zurück, um so die Brauerei mit voller Kraft bis zur in Aussicht genommenen Übergabe nicht nur wettbewerbsfähig halten, sondern auch zukunftsfähig machen zu können.

Dass ungeachtet dieser Ambition beim Wildbräu–Grandauer im 2. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts Tradition und Regionalität nicht zu kurz kommen, dies belegt der Tatbestand, dass nach wie vor alljährlich im Frühjahr das Grandauer-Volksfest abgehalten wird, dass 2015 das 400-Jahr-Jubiläum des Grandauer begangen wurde und in diesem Jahr selbiges des Wildbräu gefeiert wird, und nicht zuletzt dass eingedenk des Grafinger Hopfenanbaus im 19. Jahrhundert die Braugerste für die Herstellung der eingeführten und gepflegten Produktpalette der Brauerei im Umgriff Grafings angebaut wird.

Verfasser:
Bernhard Schäfer, © 2016, Leiter Stadtarchiv Grafing

 

Das "Gefreite Haus" zu Grafing
Wiege des Grafinger Brauwesens

Ortsbildprägend hebt er sich nach wie vor von seiner Umgebung ab – der einstige Adelssitz am Grafinger Oberen Marktplatz, hervorgegangen aus einem erst herzoglichen, dann gräflichen und schließlich klösterlichen Landgut – der Keimzelle Grafings. – Doch der Reihe nach!

Um das Jahr 973 ließ sich Gisela, die Frau Herzog Heinrichs des Zänkers, an der Urtel, einem Quellbach der Attel, ein Landgut errichten. Als ihr Mann 976 seines Herzogtums entsetzt wurde, fiel der Besitz an die Grafen von Ebersberg. Diese vererbten das Landgut „Gisling“, das inzwischen zumeist schon „Grafing“ genannt wurde, mit ihrem Aussterben im Mannesstamm 1045 an ihr Hauskloster.

Als die Wittelsbacher die Vogtei über die Reichsabtei Ebersberg übernahmen, verstanden sie es, den Ebersberger Benediktinern das einstige Landgut schleichend als Sitz für ihre vor Ort eingesetzten Amtleute zu entfremden. Die herzoglichen Amtleute waren es auch, die im 13. Jahrhundert in dem in der Zwischenzeit zum Dorf herangewachsenen Grafing einen Markt etablierten und in ihrem zu einem „Festen Haus“ ausgebauten Sitz einen um 1205 erstmals genannten Wirt einquartierten.

Gefreite Haus v. Wening Stich 1701
Abb.: "Gefreite Haus" v. Wening, Stich 1701

Als Adelssitz blieb das Feste Haus zu Grafing, das in der Frühen Neuzeit zum repräsentativen Sitz der Hofmarken Eisendorf und Elkofen aufstieg, bis ins frühe 19. Jahrhundert vom Rechtskreis des Marktes ausgenommen, galt entsprechend durch die Zeit als „Gefreites Haus“. Dieser Tatbestand besaß indes nur für die adeligen Eigentümer des Sitzes Gültigkeit, nicht aber für die Betreiber der im Haus untergebrachten Tafernwirtschaft und der dem herrschaftlichen Anwesen nachweislich seit der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts angeschlossenen Braustatt, der ältesten am Ort, der erst Jahrzehnte später durch drei bürgerliche Brauhäuser Konkurrenz erwuchs.

Historische Aufnahme vom stattlichen Anwesen der Brauerei Wildbräu
Abb.: Historische Aufnahme vom stattlichen Anwesen der Brauerei Wildbräu

War der Hofmarkssitz bereits nach einem 1632 während des Dreißigjährigen Krieges erfolgten Schweden-Einfall wieder ordentlich hergerichtet worden, so wurde das Gefreite Haus 1745 nach Einquartierungen im Verlauf des Österreichischen Erbfolgekrieges fast von Grund auf neu erbaut. Mit vier Ecktürmchen und einem vorgeblendeten zweigeschossigen Segmentbogengiebel sollte es sich einmal mehr als dreigeschossiger, nun mit markanter Putzgliederung versehener Adelssitz von den umstehenden Bürgerhäusern absetzen. Zu ebener Erde und im ersten Stock lebte und wirtschaftete jetzt der Bräu mit seiner Familie. Die oberen beiden Geschosse waren dagegen den Wohnräumen der Hofmarksinhaber und den Zimmern des Verwalters für die Verhöre und sonstigen Amtsgeschäfte vorbehalten.

In seinem barocken Erscheinungsbild, das das Gefreite Haus damals erhielt, erlebte es 1819 sein Ende als Adelssitz. An den seinerzeitigen bürgerlichen Braumeister und Wirt verkauft, befand und befindet sich das einstige Landgut seither in den Händen einer Reihe durch Eheschließungen verwandtschaftlich miteinander verbundener Brauerfamilien, zuletzt der Familien Wild und Schlederer.

Noch in der Gegenwart aber bildet das ehemalige Hofmarksschloss, das nach wie vor durch einen mächtigen Ausleger von 1793 als Brauerei-Anwesen ausgewiesen ist und heute unter anderem das italienische Lokal „Il Ristorante" beherbergt, in seiner den Grafinger Marktplatz prägenden Gestalt den Mittelpunkt der alten, inzwischen (1953) zur städtischen Bürgergemeinde aufgestiegenen Ansiedlung Grafing. Und so verwundert es denn auch nicht, dass das Gebäude bereits vor Jahrzehnten zum Markenzeichen des Wildbräu geronnen ist.

Markenzeichen der Brauerei Wildbräu, das ehemalige Hofmarkschloss am Grafinger Marktplatz
Abb.: Markenzeichen der Brauerei Wildbräu,
das ehemalige Hofmarkschloss am Grafinger Marktplatz


Verfasser:
Bernhard Schäfer, © 2016, Leiter Stadtarchiv Grafing