Grandauer Historie

1615 3. Juni, Heirat von Hans Grandauer, Bierbräu in Grafing, mit Elisabeth Deinhofer, somit erste urkundliche Erwähnung der Brauerei Grandauer
1631 Erste Erwähnung des Grandauer-Wappen, das seitdem von allen Besitzern der Brauerei genutzt wird
1672 Erbauung der Dreifaltigkeitskirche durch Bürgermeister und Bierbräu Georg Grandauer
1794 Anno 1794 | Verleihung des Adels- und Wappenbriefes
Verleihung des Adels- und Wappenbriefes an Joseph Grandauer und seine Erben mit dem Titel Edler von Grandauer, diese Wappen führen wir auch heute noch in unseren Etiketten
1854 Historische Postkarte Grafing
24. Januar, Tod von Elisabeth Grandauer †, dadurch erlischt der Name Grandauer in Grafing, da nur noch 2 Töchter vorhanden waren. In den vergangenen 239 Jahren stellten die Grandauer immer wieder den Bürgermeister in Grafing 
1854 30. August, Kauf des Anwesens und der Brauerei durch Georg Deuschl aus Frauenneuharting
1926 14. März, Tod von Alois Deuschl †
1927 anno 1927 | Kranzlschiessen Grafing
22. April, Verkauf des gesamten Besitzes der Familie Deuschl und Gründung der Genossenschafts-brauerei durch neun mutige Bauern aus der Gegend um Grafing.
  anno 1927 | Gründung der Brauereigenossenschaft Zum Grandauer
Dies waren: Georg Obermair, Fürmoosen, Sebastian Kugler, Reitgesing, Sebastian Ametsbichler, Pullenhofen, Alois Höher, Hinteregglburg, Stefan Angermeier, Reith, Sebastian Pröbstl, Forstseeon, Korbinian Kugler, Aßlkofen, Thomas Hütterer, Hüttlkofen und Sebastian Stinauer, Fürmoosen. In den Anfangsjahren der Genossenschaft war der Erfolg noch nicht spürbar, da auch der nahende 2. Weltkrieg schon seine Schatten warf. Erst nach dem Krieg begann der Aufschwung
1949 Wiederaufnahme der Bierproduktion in Vorkriegsstärke, Herstellung von eigener Limonade
1951  Verschmelzung mit der ehem. Brauereigenossenschaft Aubräu, Traunstein und mit der Bierbezugsgenossenschaft Wasserburg/Inn, Erneuerung der Weißbierabteilung und der Kühl- und Kunsteisanlage, Erweiterung der Flaschenabfüllung 
1952  Ausstoßsteigerung um 42 %, sowie Ausbau des Gärkellers und Erweiterung des Lagerkellers
1954  18. auf 19. November,  Der Lagerkellerbau brennt bis auf die Grundmauern nieder, nur Maschinenhaus und Flaschenabfüllung können, wenn auch schwer beschädigt, gerettet werden. Glücklicherweise blockierte der Brandschutt den Zugang zum Lagerkeller, so daß dieser nicht beschädigt wurde
1956  Inbetriebnahme des neuerbauten Lagerkellers
1957  Erneuerung der Flaschenabfüllung auf 8.000 Flaschen pro Stunde 
1965  zum 350-jährigen Jubiläum wird ein Volksfest abgehalten, das seit dem immer auf dem mit Brandschutt des Lagerkellerbrandes aufgefülltem Festplatz stattfindet
1970  Erneuerung der Flaschenabfüllung auf 16.000 Flaschen pro Stunde und Einbau eines neuen Hochdruckdampfkessels 
1972  anno 1972 | Einführung der EURO-Flasche
Einführung der Euro-Flasche, wie sie auch heute noch verwendet wird
1979  Fusion mit der Raiffeisenbank Mangfalltal 
1981  Bau des neuen Sudhauses
1993 Übernahme durch Wildbräu, die Rezepte der Biere werden übernommen und auch 50 Arbeiter und Angestelle der Brauerei Grandauer finden beim Wildbräu einen neuen Arbeitsplatz 
1995 Gruss aus Grafing
Einstellung der Produktion auf dem Grandauer-Gelände, alle Sorten werden auf dem Gelände in der Rotter Straße produziert

 

Von Granden und Greifen

Aus der Geschichte der Grandauer-Brauerei in Grafing

Ein eindrucksvolles Wappen ist es, das heute an der Fassade eines langgestreckten Traufseitbaues an der Nordseite des Oberen Marktplatzes in Grafing an eine Brauer-Dynastie erinnert, die über zweieinhalb Jahrhunderte die Geschicke des Grafinger Brauwesens mitbestimmte – das nämlich des Geschlechts der Grandauer, stammend wohl aus Grandau im Leitzachtal.

Erstmals schriftlich bezeugt sind die Grandauers in Grafing gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Damals trat ihr „Ahnherr“ Jörg Grandauer mit zwei weiteren bürgerlichen Brauern in Konkurrenz zum alteingesessenen herrschaftlichen Brauhaus vor Ort. Das hier bereits erkennbar werdende Selbstbewusstsein der Familie mündete 1631 in ein eigenes Wappen mit Greif (Fabeltier) und Grand (Wasserbecken) und gipfelte schließlich 1794 in der Verleihung des erblichen Adels.

1843 starben die Grandauers, deren Vertreter in den zurückliegenden Jahrhunderten immer wieder öffentliche Ämter übernommen und sich als Gönner, Stifter und Wohltäter des Gemeinwesens gezeigt hatten, im Mannesstamm aus. Das Brauereigut erwarb daraufhin 1854 die Familie Deuschl aus dem benachbarten Öxing, die das Unternehmen weiter ausbaute, aber nur über zwei Generationen in Händen halten konnte.

1927 verkaufte die Erbengemeinschaft Deuschl den Besitz in ökonomisch komplizierter Situation an eine eigens zu diesem Zweck gegründete Brauereigenossenschaft „Zum Grandauer“. Nach erfolgversprechenden Anfängen geriet diese in den 1930er Jahren in eine schwere Krise, der, kaum dass sie überwunden war, die schweren Jahre des Zweiten Weltkrieges und der ersten Nachkriegszeit folgten.

Im Gefolge der Wirtschaftswunderzeit nahm die Brauerei Grandauer in den 1950er/60er Jahren wieder einen enormen Aufschwung, ehe dann in den 1970er Jahren die allgemeine wirtschaftliche Schrumpfungstendenz dem Betrieb sehr zusetzte. Die Konsequenz dieser Entwicklung war 1979 die Übernahme des Unternehmens durch Raiffeisenbank Mangfalltal in Bad Aibling.

Als nach den für die Brauerei schwierigen 1980er Jahren zu Beginn der 1990er Jahre die Übermacht der Münchner und der norddeutschen Konzerne immer drückender wurde und dringend notwendige Investitionen anstanden, entschied sich das Geldhaus dazu, die Grandauer-Brauerei zu verkaufen, und zwar an den örtlichen Konkurrenten, den Wildbräu.

Für den Eigentümer des Wildbräu, die Familie Schlederer, stand schon beim Kauf des Grandauerbräu 1993 fest, den Betrieb zwar in das eigene Unternehmen zu integrieren, dabei aber dessen Identität zu wahren. Und so nimmt es nicht wunder, dass im vergangenen Jahr das an einer frühen Nennung festgemachte Jubiläum „400 Jahre Grandauer“ gefeiert wurde und dass heute nach wie vor alljährlich zum Grandauer-Volksfest eingeladen und die Grandauer-Produktpalette angeboten wird. Entsprechend nennt sich die Firma denn auch „Wildbräu – Grandauer“ und schmückt sich darüber hinaus gerne mit dem von alters her bekannten Grandauer-Wappen als einem eindrucksvollen Markenzeichen.

Wappenbrief der Grandauer
Wappenbrief der Grandauer


Verfasser:
Bernhard Schäfer, © 2016, Leiter Stadtarchiv Grafing